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„Desert Greening“ und „Sphären-Akkupunktur“ zur Wetterhermonisierung

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The Parent Tree Farm in Paraguay: einzigartige ökologische Aufforstung zerstörten Regenwaldes

Die wachsende Gier nach Profit durch Viehzucht, Soja- und Palmölanbau, Agrartreibstoffe und Zellstoffproduktion sorgt dafür, daß weltweit die Regenwälder zerstört werden. Täglich werden rund 356 Millionen Quadratmeter Wald abgeholzt. Besonders durch den Anbau von Monokulturen (z.B. Eukalyptus oder Ölpalmenplantagen) und den Einsatz von Pestiziden werden danach die Böden noch weiter zerstört, sodaß nahezu unfruchtbare, lebensfeindliche Agrarwüsten übrig bleiben. Aber auch unabhängig von der Zerstörung des Regenwaldes sieht sich die Erde einem wachsenden Problem der Desertifikation (Wüstenbildung) gegenüber, welches alle Kontinente betrifft.
Einführung
Glücklicherweise gibt es weltweit immer mehr Menschen, die sich für den Erhalt von Mutter Erde aktiv einsetzen. Einer von ihnen ist Andreas Pfeifer, Gartengestalter und Visionär, der uns zeigt, wie diese Probleme mit einer kreativen und zugleich höchst effizienten Methode behandelt und in ihr Gegenteil verwandelt werden können. Auf der TheParentTreeFarm (TPTF) in Paraguay, eines der am stärksten von Abholzung betroffenen Länder, hat Andreas Pfeifer innerhalb von vier Jahren eine einzigartige Methode der ökologischen Aufforstung entwickelt.

Scheinbar unfruchtbare Gebiete werden in kurzer Zeit dank dieser innovativen Methode wieder in paradiesische Wälder und Gärten mit unglaublicher Artenvielfalt verwandelt. Dabei macht sich Andreas Pfeifer die Natur zum Vorbild und orientiert sich ausschließlich an ihren ökologischen Prinzipien. Auf diese Weise forstet er seit 2007 den ehemaligen Regenwald wieder auf und macht die TPTF zu einem Ort des natürlichen Überflusses.

Hierbei pflanzt er neben einheimischen Bäumen bedachtsam ausgewählte Heilpflanzen an, welche auch bereits zu Produkten verarbeitet und zum Erwerb angeboten werden. Insgesamt wurden Zehntausende verschiedener Bäume gepflanzt, welche nun Lebensraum für zahlreiche mittlerweile vom Aussterben bedrohter Tiere bieten.

Die wichtigsten Elemente der ökologischen Aufforstung nach Andreas Pfeifer sind neben der entsprechenden Achtung und liebevollen Aufmerksamkeit der Natur gegenüber die Artenvielfalt, eine eigene Methode des Mulchens und die Energetisierung des Bodens und der Pflanzen durch Terra Preta, Agnihotra Asche und Effektive Mikroorganismen.

Seit 2014 ist nun auch die energetische Wetterarbeit/integrale Umweltheilung/ Himmels-Akupunktur nach Madjid Abdellaziz eine Säule des Konzeptes. Michael Friedrich Vogt war vor Ort, als Madjid Abdellaziz im April 2014 die TheParentTreeFarmbesuchte, um hier eine Madjid-Anlage/Himmelsakkupunkturanlage zu errichten und Andreas Pfeifer die energetische Wetterheilung zu lehren. Einen eigenen Bericht darüber finden Sie unter http://quer-denken.tv/index.php/mfv-tv/922-desert-greening-als-regenmacher-in-der-wueste .

Zukünftig sollen neben Andreas Pfeifer, der mit seinem motivierten Team auf der Farm lebt, noch mehr Menschen an dem Paradies in Paraguay teilhaben können. So soll die TPTF zum einen als internationales Seminarzentrum und Erholungsort für Besucher dienen und zum anderen bereits liebevoll bepflanzte Grundstücke als Wohnraum anbieten. Außerdem ist es auf derTheParentTreeFarm möglich durch Investition in Wiederaufforstung selbst zur Heilung der Erde beizutragen und dabei von natürlichem Wachstum auch finanziell zu profitieren. Insgesamt zeigt „TheParentTreeFarm“ als Pilotprojekt, daß es eine schnelle und langfristig nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch wertvolle Alternative zu der naturzerstörenden, konventionellen Agrarwirtschaft gibt. Somit ist eine intakte Erde als fruchtbare Lebensgrundlage für alle Lebewesen nur noch eine Frage der Umsetzung.

Websites:
www.theParentTreeFarm.de
www.theParentTreeFarm.de/moringa-oleifera-shop

Quelle: quer-denken.tv

Umwelt-Drohnen pflanzen eine Milliarde Bäume

Drohne hilft beim Baueme pflanzen

Zum Schutz unserer Natur will eine Non Profit Organisation namens “BioCarbon” innovative Drohnen nutzen um diese vollautomatisiert nach freien Plätzen zu suchen um dort durch das Platzieren von kleinen Kapseln neue Bäume zu pflanzen. Jährlich will die Organisation so 1 Milliarde neue Bäume schaffen, ohne dass Menschen selbst viel Hand anlegen müssen. Die Drohnen erreichen eben weil sie durch die Luft fliegen auch schwer zugängliche Orte und Gegenden. Mit einem cleveren Pflanz-System dauert das Pflanzen der Bäume nur wenige Sekunden und schon kann sich die Drohne wieder auf den Weg machen einen neuen Spot für das Pflanzen eines Baums zu suchen. BioCarbon ist mit diesem Baum-Pflanz-System auf eine geniale Idee gekommen, die die Drohnentechnologie positiv dazu nutzt, um unsere Natur im natürlichen Aufbauprozess zu unterstützen. Mehr zu den innovativen Drohnen, die jährlich eine Milliarde neue Bäume pflanzen sollen, seht und lest ihr in diesem Beitrag bei uns auf Trends der Zukunft.

Eine Milliarde neue Bäume dank Drohnen

Drohnen sind wie wir wissen und es des Öfteren an Beispielen zeigen extrem vielseitig einsetzbar. Drohnen werden von der US Navy in Schwärmen aus mobilen Raketenstationen katapultiert, sollen in Zukunft dank enorm hohen Reichweiten die Weltmeere überwachen, spionieren dank Miniaturausgaben sogar die engsten Räume ab ohne dass es irgendjemand merkt oder sie dienen als Joggingpartner der Zukunft, damit man nicht mehr alleine durch den Wald laufen muss. Doch Drohnen können noch viel mehr und wir stehen in diesem Bereich gerade erst am Anfang. Eine neue tolle Idee kommt von der Non-Profit Organisation BioCarbon. Diese hat nämlich eine Drohne in der Pipeline, die in Zukunft eigenständig nach Waldarmen Gegenden suchen und dort neue Bäume pflanzen soll und das voll automatisiert. Dazu kommen kleine Kapseln zum Einsatz, die die Drohne in den Boden rammt um dann wieder weiter zu fliegen.

Drohne kommt mit Saatgut-Kapseln

Mit den Saatgut-Kapseln bewaffnet machen sich die Drohnen also auf den Weg. Dank innovativen Kameras zum Scannen der Gegend können die Drohnen erkennen wo neue Bäume gebraucht werden. Diese Informationen werden an die Hauptzentrale gesendet und diese entscheidet dort ob in der vorgeschlagenen Gegend neue Bäume gepflanzt werden sollen oder nicht. Wenn es eine positive Rückmeldung gibt, begibt sich die innovative Umwelt-Drohne in den Tiefflug und rammt Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und diesen für die ersten Tage als eine Art Schutz für das Saatgut. Nach wenigen Tagen lösst sich die Kapsel auf und der Baum kann sich weiterentwickeln. Mit den innovativen Umwelt-Drohnen will die Organisation auf insgesamt eine Milliarde neue Bäume kommen und das pro Jahr. Unser Fazit: Extrem sinnvolle Erfindung, die das Pflanzen von Bäumen auch in unerreichbaren Gegenden radikal vereinfacht. Das folgende Video zeigt euch die neuen Drohnen zum Schutz unserer Umwelt.

Quelle: http://www.trendsderzukunft.de

Teile und gewinne

Open Source Ecology Kostenlose Pläne zum Nachbauen für alle: Eine neue Bewegung macht dem Kapitalismus Konkurrenz

Teile und gewinne

40 von 50 Geräten, die nötig sind, damit ein Dorf autark existieren kann

Abb.: Open Source Ecology

An einem regnerischen Samstagnachmittag treiben Timm Wille und seine vier Mitstreiter den Sturz des kapitalistischen Systems voran. Sie werden das auf friedliche Weise tun, mit Schraubschlüsseln und Schweißgerät. Treffpunkt ist eine kleine Werkstatt auf dem Gelände einer Berliner Schule. Sie dürfen hier sein, denn Timm Wille leitet die Werkstatt. Unter der Woche zeigt der 24-jährige Student den Schülern ehrenamtlich, wie sie ihre Fahrräder reparieren können.

Timm kniet neben Kisten voller Lampen auf dem Boden und misst die verschiedenen Teile eines Fahrradrahmens aus. Die vier anderen stehen um die lange Werkbank herum und debattieren darüber, wie sie mehr Frauen für solche Treffen begeistern können. Denn mit Laura ist nur eine weibliche Person anwesend. Wie so oft. Liegt es daran, dass Frauen nicht so für Technik zu begeistern sind? Laura hält dagegen, dass sich das wohl nicht verallgemeinern ließe. Die Diskussion findet vorerst ein Ende, als Timm Hilfe braucht. Die Gruppe will heute am Lastenfahrrad weiterbauen. Auf dem Tisch liegt der Bauplan, runtergeladen von der Online-Plattform „Open Source Ecology Deutschland“.

Kostenlose Arbeit

„Open Source“ ist vor allem wegen erfolgreicher Computersoftware wie Linux ein weltweit bekannter Begriff geworden. Der Quellcode der Programme ist frei zugänglich, Privatmenschen wie Firmen haben das Recht, ihn nicht nur zu benutzen, sondern die Programme nach Belieben anzupassen. Das Internet ist dabei essenziell, ermöglicht es doch erst, das Wissen über ganze Kontinente hinweg zu teilen. Wer an Open-Source-Projekten arbeitet, tut das meist kostenlos. Allein das erschüttert den Grundgedanken des herkömmlichen Wirtschaftens. Denn bisher haben Unternehmen Produkte vor allem entwickelt, um damit Geld zu verdienen.

„Open Source Ecology“ (OSE) funktioniert nach den Regeln einer offenen Alternativ-Wirtschaft. Anstatt an Softwareprogrammen zu basteln und diese zu veröffentlichen, stellen die Mitglieder der OSE-Netzwerke Konstruktionspläne von Maschinen und Geräten online. Es ist ein erklärtes Ziel der Community, dass die Produkte einen ökologischen und sozialen Beitrag leisten. Auf der Plattform des deutschen OSE-Netzwerks stehen neben dem Bauplan für das Lastenfahrrad auch Anleitungen für eine Zink-Luft-Brennstoffzelle oder eine Windturbine. Kosten und Materialaufwand sollen möglichst gering sein. Das Wichtigste aber ist, dass die Maschinen gut nachgebaut werden können. Wer baut, dokumentiert das und stellt später Texte, Fotos oder Videos online. Ein Kennzeichen der OSE-Bewegung ist, dass ihre Mitglieder nicht nur digital gemeinsam an einem Produkt arbeiten, sondern die Maschine eben auch in der realen Welt zusammen bauen. „Es geht um mehr als nur ums Bauen. Bei den Treffen sprechen wir viel über aktuelle Entwicklungen in der Wirtschaft. Ich denke, dass das, was wir zusammen auf die Beine stellen, auch etwas verändern kann. Es gibt immer mehr Projekte, das ist eine spannende Zeit“, sagt Timm.

Ihre Anfänge hatte die OSE-Bewegung bereits vor über zehn Jahren in den USA. Als Vater gilt der US-Amerikaner Marcin Jakubowski. Damals Anfang 30, malte sich der frischgebackene Doktorand der Physik aus, wie er immer nur an kleinen Teilen eines Forschungsprojekts arbeiten würde. Er sah seine Kollegen am Lehrstuhl, wie sie akribisch Informationen voreinander versteckten, anstatt sie zu teilen. Bei einer TED-Konferenz im Jahr 2011 erklärte Jakubowski seinen Sinneswandel: „Ich hatte mich so derart spezialisiert. Und plötzlich habe ich verstanden, dass ich absolut nutzlos bin, solange ich nicht alles selbst machen kann.“ Im Video ist hinter ihm eine Tafel eingeblendet, vollgeschrieben mit komplizierten Formeln. In Jakubowskis Augen war keine einzige geeignet, die echten Probleme der Welt anzugehen.

Um seinen Traum von der Unabhängigkeit zu verwirklichen, kaufte sich Jakubowksi zusammen mit seiner Freundin ein großes Stück Land im US-Bundesstaat Missouri. Sie fertigten eine Hütte aus über 2.000 Plastiktüten, bauten Weizen an und pflanzten Obstbäume. Eigentlich hätte es so weitergehen können, wäre der Traktor nicht kaputtgegangen. Da das nötige Geld fehlte, wollte Jakubowksi einfach selbst einen neuen Traktor bauen. Dadurch begann er sich zu fragen, welche Geräte unerlässlich seien, um ein Dorf vollkommen unabhängig zu versorgen. 50 Maschinen standen am Ende auf seiner Liste: Bulldozer, Windturbine, Melkmaschine, Brunnenbohrer, Ziegelpresse, ein Gerät zum Ausbringen der Saat, ein anderes, das mit Sonnenwärme Dampf erzeugt. Er gab der Liste den Namen „Global Village Construction Set“, ein Startpaket für eine kleine Zivilisation. In Foren warb der charismatische Jakubowski um Spenden, endgültige Bekanntheit erlangte er durch den TED-Auftritt. Immer mehr Freiwillige besuchten sein Gelände, die „Factor e Farm“, unter ihnen Studenten in den Zwanzigern, erfahrene Ingenieure und Unternehmer. Alle waren sie vom „Do it yourself“-Gedanken getrieben. „Ein Stück Land zu bewirtschaften ist genauso populär geworden, wie im Ausland zu studieren“, schreibt ein Mann, der für ein paar Monate auf der Farm gelebt hat, in einem Forum. In den letzten Jahren aber wurde Jakubowski zunehmend von seinen Anhängern kritisiert. Manchen gilt er als größenwahnsinnig, weil er seine Ideen immer schneller umsetzen will. „Unser Ziel ist eine Sammlung von veröffentlichten Entwürfen, so klar, so vollständig, dass solch ein effektives Starter-Kit auf eine einzige DVD passt“, lautet eine seiner Devisen.

OSE-Netzwerke gibt es mittlerweile in ganz Europa. Zumindest in Deutschland wollen es die Initiatoren anders machen als in den USA. Es soll bloß keiner allein durchziehen. „Die deutsche Gemeinschaft ist eher eine ‚Fork‘ der amerikanischen Bewegung“, sagt Andrea Vetter, die an der Humboldt-Universität Berlin gerade eine Doktorarbeit über Techniken für eine Postwachstumsgesellschaft schreibt, in der es auch um OSE geht. „Fork“ ist der in der Community verwendete Begriff für Abspaltung. Über 20 ganz aktive Mitglieder hat die OSE-Gruppe in Berlin, doch weit mehr Interessierte bauen gemeinsam an Maschinen. Noch ist unklar, wohin die Reise geht. Wie streng sollen die Kriterien für die Produkte sein? Wie genau soll der Bau von Maschinen dokumentiert werden? „Solche Fragen sind noch ungeklärt“, weiß Vetter. Aber genau das, so die Doktorandin, lasse eben auch viele Möglichkeiten zum Gestalten. Manche Kriterien, die in Jakubowskis Modell wichtig sind, hat die deutsche Community übernommen. So zum Beispiel den modularen Charakter der Maschinen. Module sind leichter zu verstehen und mit wenigen Änderungen leicht ineinander überführbar.

Nachhaltige Alternative

Der deutschen OSE-Community geht es auch darum, zu zeigen, dass Open-Source-Projekte wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Wirtschaft sein können. „Ich finde es wichtig, einen positiven Technik-Begriff in Debatten über alternative Wirtschaftsmodelle einzubringen“, sagt Forscherin Vetter. Sie selbst habe festgestellt, dass viele Postwachstums-Befürworter prinzipiell voreingenommen seien, wenn es um Technik geht. Und tatsächlich können Produkte, die aus Open-Source-Projekten entstehen, auch alles andere als umweltfreundlich sein. „Aber so können eben auch gute und nachhaltige Alternativen geschaffen werden“, ist Vetter überzeugt. Die Möglichkeiten scheinen endlos. Gibt es auf Höfen bald Traktorbaupartys? Werden dank der Online-Pläne die Maschinen bald in der Mongolei oder in Afrika nachgebaut und erprobt? Das wäre wünschenswert, denn jeder Nachbau bedeutet immer auch Weiterentwicklung. In Regionen etwa, wo bestimmte Baumaterialien oder Einzelteile nicht gut zu bekommen sind, findet jemand vielleicht eine Alternative und notiert das im Internet, was wiederum von einem anderen ergänzt wird.

In der kleinen Werkstatt in Berlin hat sich die Gruppe der Lastenfahrrad-Bauer mittlerweile vergrößert. Nun wird geschweißt. Timm teilt Schutzkleidung aus, mit dem gesamten Baumaterial geht es nach draußen, trotz Kälte und Nieselregen.

Der Rest hat es sich in der Werkstatt gemütlich gemacht und schaut sich Bilder der neuesten Idee an. Auf einem über 14.000 Quadratmeter großen Gelände, abseits der Autobahn zwischen Berlin und Hamburg, entsteht gerade das erste europäische OSE-Lab. Wird hier das deutsche „Maschinen-Startpaket“ entworfen? Ein Büro zum Planen und Gästezimmer für Freiwillige sind jedenfalls schon fertig. Natürlich alles selbst gebaut.

Quelle: http://www.freitag.de / Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 17/15

Massen-Proteste gegen TTIP in ganz Europa

Zehntausende Gegner des geplanten Freihandelsabkommens TTIP haben bei einem internationalen Aktionstag ihren Protest auf die Straße getragen. Allein in Deutschland waren mehr als 230 Demonstrationen geplant. In den kommenden Wochen verhandeln EU und USA weiter über das transatlantische Handelsabkommen.

«Wir wollen damit deutlich machen, dass der Widerstand weitergeht», sagte am Samstag Roland Süß vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac, das zahlreiche Veranstaltungen mitorganisiert hatte.

Laut Attac waren rund 750 Aktionen in etwa 45 Ländern geplant, davon mehr als 230 in Deutschland.

Die Proteste richteten sich auch gegen das vorgesehene Abkommen mit Kanada (CETA) und ein geplantes Dienstleistungsabkommen mit den Vereinigten Staaten (TISA).

An diesem Montag beginnt in New York die mittlerweile neunte Verhandlungsrunde zum TTIP-Abkommen zwischen USA und Europäischer Union.
Die Vereinbarung soll Hemmnisse im transatlantischen Handel abbauen und grenzüberschreitende Investitionen ankurbeln. Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sehen darin Chancen für Wachstum und Beschäftigung.
Kritiker befürchten dagegen, dass europäische Standards etwa im Verbraucher- und Umweltschutz oder im sozialen Bereich gesenkt werden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versuchte zu beruhigen. Die Standards seien Gesetz und blieben es auch, sagte sie am Samstag in Greifswald, wo sie in ihrem Wahlkreis bei einer Veranstaltung für den Oberbürgermeister-Kandidaten auftrat. Die Verbraucherschützer von Foodwatch sehen dagegen «ein ganz großes Risiko».
«TTIP wird unsere demokratischen Rechte einschränken. Denn in Zukunft werden die Konzerne noch mehr Einfluss darauf haben, wie die Gesetze geschrieben werden», warnte Geschäftsführer Thilo Bode im Sender NDR-Info.
Linke-Chef Bernd Riexinger warnte am Samstag bei einer Kundgebung in Kassel: «Selbstverständliche Standards für Lebensmittel, Umwelt, Beschäftigung, öffentliche Dienste – mit TTIP wird die Welt auf den Kopf gestellt.»
In München protestierten fast 20 000 Demonstranten gegen TTIP. Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, warnte bei der Kundgebung vor einem «Abbau der ökologischen, sozialen und kulturellen Standards». TTIP stelle einen «umfassenden Angriff auf unsere Lebensqualität» dar.
In Köln verlangten einige Hundert TTIP-Gegner in umgedichteten Karnevalsliedern mehr Schutz für Umwelt, Arbeitnehmer, Konsumenten und deren Gesundheit. In Stuttgart zählte die Polizei rund 1000 Demonstranten, in Ulm etwa 1200.
In Kiel waren rund 600 Demonstranten auf den Beinen, in Leipzig waren es nach Attac-Angaben 2000.
In Berlin-Mitte demonstrierten einige Hundert Menschen mit einer Menschenkette.
Die Polizei zählte 600 Teilnehmer, die Veranstalter sprachen von deutlich mehr als den erwarteten 1000.
In Österreich zählten die Organisatoren der Proteste landesweit 22 000 Teilnehmer.
In der Hauptstadt Wien demonstrierten laut Polizei rund 6000 Menschen.
Die Grünen im Bundestag forderten die Europäische Kommission und die Bundesregierung auf, die Proteste gegen TTIP ernst zu nehmen. Die Allianz der Gegner reiche mittlerweile von Gewerkschaften und Kirchen über Mittelstandsvertreter und kommunale Verbände bis hin zu Umwelt- und Datenschützern, sagte die Grünen-Abgeordnete Katharina Dröge.
Quelle: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

SPIEGEL wird verhökert

Spiegel-Erben wollen aussteigen. Drei der vier Erben von Rudolf Augstein wollen ihre Anteile verkaufen. Doch wer hat daran Interesse?

Ausgespiegelt: Die Geschwister Jakob, Maria Sabine und Julian Augstein wollen sich offenbar von ihren Anteilen am Spiegel-Verlag trennen. Das berichtet „Horizont.de“.

Aus Berechnungen des Portals geht hervor, dass der Spiegel-Verlag im vergangenen Jahr einen Gewinn von rund 20 Millionen Euro erwirtschafte habe. Mit dem handelsüblichen Multiplikator (mal 8), sei das Unternehmen somit 160 Millionen Euro wert. Damit würde jeder der Erben weniger als zehn Millionen Euro erhalten.

Nur Franziska Augstein, Redakteurin der „Süddeutschen Zeitung“, will dabei bleiben: „Was immer passiert: Ich verkaufe nicht“, sagt die gegenüber HORIZONT.

Gemeinsam halten die Halbgeschwister 24 Prozent am Spiegel Verlag. So hat es Rudolf Augstein, der 2002 gestorben ist, verfügt. Gruner + Jahr gehören 25,5 Prozent. Hauptgesellschafter mit 50,5 Prozent ist die Mitarbeiter KG. Wichtige Beschlüsse bedürfen einer 76-Prozent-Mehrheit. Sie wird nur erreicht, wenn G+J und die KG sich einig sind.

US-Unternehmer zahlt $ 70.000 Mindestlohn an alle Mitarbeiter

Gravity Payments, ein Kreditkartenanbieter in den USA, zahlt allen 120 Mitarbeitern den Mindestlohn von 70.000 US-Dollar per anno. Auch dem einfachen Sachbearbeiter. Dafür verzichtet der Inhaber auf seine § 1 Mio. per anno, die er dafür auf $ 70.000 kürzt.
 
Dan Preis, C.E.O. der Gravity Payments, überraschte seine 120 Mitarbeiter mit der Ankündigung, dass er in den nächsten drei Jahren plant, das Gehalt jedes Mitarbeiters auf $ 70.000 pro Jahr zu erhöhen. Von Matthew Williams am 14. April 2015. –
The New York Times 14.04.2015 Die Idee kam ihm nachdem er einen Artikel über das Glück gelesen hatte, sagte Dan Price, der Gründer von Gravity Payments. Es wurde ihm verdeutlicht, dass Menschen, die von weniger als etwa 70.000 $ leben müssen, ein Mehr an Geld einen großen Unterschied in ihrem Leben ausmacht. Alles was darüber liegt, mache die Menschen nicht glücklicher.
Seine Idee wurde an einem Montagnachmittag zur Realität, als Herr Price seine 120 Mitarbeiter mit der Ankündigung überraschte, dass er in den nächsten drei Jahren planen würde, das Gehalt auch dem niedrigst bezahlten Sachbearbeiter, den Mitarbeitern im Kundendienst und den Verkäufern, auf das Minimum von $ 70.000 zu erhöhen.
“Ist hier grad jemand ausgeflippt?”, Fragte Mr. Price nach dem Klatschen und Keuchhusten seiner Mitarbeiter legten sich ein paar Momente der Stille über den Raum. “Ich bin wohl ein bisschen verrückt?”
Wenn es ein Werbegag wäre, dann wäre es eine kostspielige Angelegenheit. Herr Price, der 2004 im Alter von 19 Jahren die in Seattle ansässige Firma für Kreditkartenzahlungen gründete, sagte, er würde für die Lohnerhöhungen sein eigenes Gehalt von fast 1 Mio. Dollar auf $ 70.000 kürzen. Der freiwerdende Betrag würde 75 bis 80 Prozent der Lohnerhöhungen ausmachen. Den Rest von $ 2.200.000 würde die Gesellschaft als Gewinnen in diesem Jahr erwarten.
Der Durchschnittslohn bei Gravity Payments liegt bei $ 48.000 per anno.
Die Gehaltsschecks von etwa 70 Mitarbeitern wird wachsen. Bei 30 wird es eine Verdoppelung ihrer Gehälter geben, sagte Ryan Pirkle, ein Unternehmenssprecher. Das durchschnittliche Gehalt liege derzeit bei $ 48.000 pro Jahr.
Herr Price kleines, privat geführtes Unternehmen ist auf keinen Fall ein Leithammel, aber sein ungewöhnlicher Vorschlag geht auf eine wirtschaftliche Frage zurück. Auf die nationale Aufmerksamkeit, die mit diesem Plan eingefangen wird. Es gibt keinen Unterschied mehr, zwischen dem ansteigenden Lohn der Vorstände und dem ihrer unterstellten Mitarbeiter.
Die USA haben eine der weltweit größten Lohnunterschiede. Vorstände verdienen fast 300-mal so viel, wie der durchschnittliche Arbeitnehmer, meinen Schätzungen einiger Ökonomen. Das ist viel höher als das 20-zu-1-Verhältnis des Gilded Age Magnaten, wie J. Pierpont Morgan und der vom visionären Management des 20. Jahrhundert, Peter Drucker empfohlen Größenordnung.
“Der Markt-Preis für mich als C.E.O., im Vergleich zu einer normalen Person, ist lächerlich. Es ist absurd.” sagte Herr Price. Sein hauptsächlichen Extravaganzen seien Snowboarden und die Abholung seines Barschecks. Er fährt einen 12 Jahre alten Audi, den er als einen Tausch erhielt, für den Service vom Fachhändler.
“So sehr, wie ich ein Kapitalist bin, gibt nicht noch einmal auf dem Markt. Deshalb muss ich es tun”, sagte er mit Blick auf die Auszahlung der Löhne, die seinen Mitarbeiter die Möglichkeit geben sollen, den amerikanischen Traum zu leben. Sie sollen ein Haus kaufen und bezahlen können. Sie sollen für die Ausbildung ihrer Kinder sorgen können.
Im rahmen einer Finanzkonsolidierung, die der US-Kongress im Jahr 2010 verabschiedet hatte, sollten alle Aktiengesellschaften das Lohnniveau von CEOs zu ihren Mitarbeitern offenlegen. Das taten sie aber nicht. Die Führungskräfte haben sich energisch gegen dieses Vorhaben zur Wehr gesetzt. Es sei viel zu schwierig und kostspielig es umzusetzen.
Die Unternehmensgeschichte begann, als Herr Price Transaktionen im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar für mehr als 12.000 Unternehmen im Jahr verarbeitete. Dies tat er in seinem Zimmer im Studentenwohnheim an der Seattle Pacific University. mit dem Startkapital von seinem älteren Bruder. Die Idee kam ihm ein paar Jahre zuvor, als er in einer Rockband spielte, in einem örtlichen Café. Der Besitzer beklagte sich über Probleme mit dem Unternehmen, das seine Kreditkartenzahlungen vornahm und fühlte sich durch zu hohen Gebühren abgezockt.
Als Herr Price die Servicelücke erkannte, beschloss er es billiger und effizienter mit besserem Kundenservice zu tun.
Der unternehmerische Geist war allgegenwärtig, dort wo er aufgewachsen ist, im ländlichen Südwesten von Idaho, wo seine Familie lebte. 30 Meilen vom nächsten Lebensmittelladen entfernt und er wurde bis zum Alter von 12 Jahren zu Hause unterrichtet. Während einer von Mr. Price vier Brüdern begann, ein Baseball-Karten-Geschäft aufzubauen, ging der 9-jährige Dan zu einem lokalen Radiosender, um dort für seinen Bruder zu werben: “Hallo. Ich bin Dan Preis. Ich möchte mit ihnen über ihre persönlichen Vorteile sprechen, die Ihr bei meines Bruders Geschäft bekommen könnt.”
Sein Vater, Ron Preis, ist ein Berater und Motivationstrainer, der sein eigenes Buch über Unternehmensführung geschrieben hat.
Dan Price war 2008 nah an der Schließung seiner Firma vorbei geschrammt, als die Rezession zwei seiner größten Kunden in den Bankrott schickte, wodurch 20 Prozent seiner Umsätze in einem Zeitraum von zwei Wochen verloren gingen. Er sagte, das Unternehmen habe es geschafft, ohne Entlassungen und ohne die Erhöhung der Preise auszukommen. Die meisten seiner Mitarbeiter seien jung und mit ihm befreundet.
Aryn Higgins bei der Arbeit bei Gravity Payments in Seattle. Sie und ihre Kollegen erhalten nun deutliche Lohnerhöhungen.
Herr Price sagte, dass er nicht die Absicht habe, politisch mit seinem Plan zu punkten. Von seinen Freunden hörte er Geschichten, wie schwer es war, über die Runden zu kommen. Selbst auch mit den Gehältern, die noch gut über dem Bundes Minimum von $ 7,25 pro Stunde lagen.
“Sie haben mich durch die Mathematik überzeugt, dass man schon mit 40 pro Jahr auskommen könne”, sagte er, dann beschreibt er, kämenm die Überraschungen, wie Mieterhöhungen oder die nörgelnden Kreditkarten-Schulden.
“Ich habe gehört, dass dies jede Woche geschieht”, fügte er hinzu. “Das frisst dich von innen her auf.”
Herr Price sagte, er wollte etwas gegen das Problem der Ungleichheit tun, obwohl sein Vorschlag “mich wirklich nervös machte”. Weil er es ohne Preiserhöhungen für seine Kunden, oder ohne Abstriche beim Service machen wollte.
Von allen sozialen Fragen, die er fühlte, er war in der Lage, etwas dagegen als Geschäftsführer zu tun “, dass es als eine Frage der Würde erscheint.”
Er sagte, er plant, sein eigenes Gehalts solange niedrig zu halten, bis das Unternehmen wieder die Gewinne erwirtschaftet, die er hatte, bevor die neue Lohnrunde in Kraft trat.
Hayley Vogt, eine 24-jährige Kommunikationskoordinatorin bei Gravity, die 45.000 $ verdient, sagte: “Ich bin jetzt völlig weggeblasen.” Sie sagte, dass sie über ihre Mietsteigerungen und über eine aktuelle Krankenhaus-Rechnung besorgt war. Aber jetzt würde sich das alles ändern.
“Jeder redet in Seattle über den Mindestlohn von 15 $. Deshalb ist es schön, dass es irgendwo jemanden gibt, der das tatsächlich umsetzt. Der es einfach macht und nicht nur darüber redet”, sagte sie.
Die Glücksforschung hinter Mr. Price Ankündigung am Montag, kam ursprünglich von Angus Deaton und Daniel Kahneman, den mit einem Nobelpreis ausgezeichneten Psychologen. Sie fanden heraus, dass das, was sie emotionale Wohlbefinden genannt hatten – definiert wurde als “die emotionale Qualität der Alltagserfahrung des Einzelnen, der Häufigkeit und Intensität der Erfahrungen der Freude, Stress, Traurigkeit, Wut und Zuneigung, die das Leben angenehm oder unangenehm machen” – steigt mit dem Einkommen, aber nur bis zu einem Punkt. Und dieser Punkt erweist sich bei über $ 75.000 pro Jahr zu liegen.
Natürlich bringt Geld über diesem Niveau Vergnügen – es ist nicht zu leugnen, die Freuden einer Kreuzfahrt in die Karibik oder ein Paar Diamant-Ohrringe – das bringt aber keine zusätzlichen Gewinne auf der Skala des emotionalem Wohlbefindens.
Wie Herr Kahneman hat es erklärte, macht das Einkommen über dieser Schwelle nicht glücklicher, aber ein Mangel an Geld kann dir das Glück berauben.
Phillip Akhavan, 29, verdient $ 43.000 als Verkäufer im Unternehmen. “Mein Kiefer fiel einfach runter”, sagte er. “Das wird alles um mich herum ändern.”
Zu diesem Zeitpunkt werden noch keine Princeton-Forscher benötigt, um herauszufinden, ob sich die Mitarbeiter jetzt glücklicher fühlen. Das kommt später.
 

Geld für alle

Was passiert, wenn tausend Menschen jeden Monat Geld bekommen, ohne dafür zu arbeiten? Macht solch ein bedingungsloses Grundeinkommen die Menschen faul und abhängig? Oder frei und fleißig? Diese Frage sollte ein Feldversuch in einem Dorf in Namibia beantworten. Die Tübinger Ethnologin Dr. Sabine Klocke-Daffa war während des Experimentes vor Ort.

Die Idee, dass jeder Mensch ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommt, wird in vielen Ländern diskutiert, auch in Deutschland. Warum fand das Experiment ausgerechnet in Namibia statt?

 Die Idee kam nicht, wie viele glauben, von der UNO oder einer ausländischen Organisation. Das Land hat gigantische Bodenschätze, trotzdem lebt die Hälfte der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Um etwas gegen die ungleiche Verteilung zu unternehmen, setzte die Regierung Anfang der 2000er-Jahre eine Steuerkommission ein. Einer ihrer Vorschläge lautete: ein gleiches Basiseinkommen für alle.

Für alle? Auch für die Reichen?

Namibia hat gerade mal zwei Millionen Einwohner. Ein bürokratischer Apparat, der die Bedürftigkeit jedes Einzelnen prüft, wäre teurer als einfach jedem Geld zu geben. Die Evangelisch-Lutherische Kirche Namibias griff die Idee auf. Sie sammelte Spenden und startete 2008 den Feldversuch im Dorf Otjivero, etwa eine Autostunde von der Hauptstadt Windhoek entfernt. Zwei Jahre lang bekam jeder Einwohner monatlich 100 Namibia-Dollar (etwa 10 Euro) ausgezahlt. Eine Familie mit fünf Kindern kam so auf 700 Dollar: mehr, als ein einfacher Farmarbeiter im Monat verdient.

Sie haben untersucht, wie das Geld das Leben der Dorfbevölkerung verändert hat. Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Man muss wissen, dass in Otjivero zu rund 80 Prozent Damara leben, eine Volksgruppe, die zu den Khoisan-Völkern gehört. Bei den Khoisan herrscht eine ausgeprägte Kultur des Schenkens und des Einforderns. Wer etwas übrig hat, egal ob Essen, Wasser, Geld oder Zeit, gibt anderen etwas ab. Und wer etwas braucht, eine Tasse Maismehl, ein Stück Seife oder jemanden, der auf die Kinder aufpasst, fragt bei Angehörigen und Nachbarn. Wir Deutschen definieren uns ja eher über das, was wir haben: Wenn Sie mit 40 immer noch in einer Studentenbude wohnen, fragt die Familie, wie es weitergehen soll. Das würden die Khoisan nie tun. Sie definieren sich darüber, was sie anderen geben. Wer nie etwas abgibt, dessen Status sinkt, und irgendwann wird er aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Ich war zusammen mit einer Doktorandin zwei Monate lang vor Ort. Wir befragten 30 Haushalte täglich nach ihren Einnahmen und Ausgaben. Die Hälfte in Otjivero, die andere Hälfte in einem nahe gelegenen Vergleichsort, in dem kein Basiseinkommen gezahlt wurde.

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Dass das Projekt ein großer Erfolg war. 100 Dollar sind auch für namibische Verhältnisse keine riesige Summe. Dafür bekommt man etwas Maismehl, Tee, Zucker und ab und zu etwas Fleisch. Doch selbst dieser kleine Beitrag machte eine Menge aus. Es gab so gut wie keine Unterernährung mehr, die Kinder weinten nachts nicht mehr vor Hunger und konnten sich in der Schule besser konzentrieren. Auch die Kriminalitätsrate sank: Auf den umliegenden Farmen wurde kaum noch gewildert. Frauen, die vorher gelegentlich genäht hatten, kurbelten ihr Geschäft an. Sie reisten nach Windhoek, um auch dort ihre Kleider zu verkaufen. Zudem konnten die Menschen ihr Ansehen in der Gemeinschaft steigern. Otjivero ist ein extrem armer Ort – es gibt kaum Vieh und so gut wie keine Arbeit. Viele sind auf die Unterstützung von Familienmitgliedern aus anderen Dörfern angewiesen. Nun konnten sie etwas zurückgeben: etwa Geld schicken oder Kinder aus der Verwandtschaft aufnehmen. So haben sie sich ein soziales Kapital aufgebaut, von dem sie monate-, wenn nicht jahrelang zehren können.

Dennoch wird kritisiert, es seien zu wenige wirtschaftliche Initiativen gestartet worden. Die meisten haben im Prinzip so weitergelebt wie vorher, Neugründungen lassen sich an einer Hand abzählen. Das Geld hatte also kaum einen nachhaltigen ökonomischen Effekt.

Ich wehre mich dagegen, dass man sagt: „ Die Leute sind zu ungebildet und müssen erst noch lernen, mit Geld umzugehen.“ Sie können sehr wohl mit Geld umgehen, aber sie tun das nach ihren eigenen Präferenzen. Mich interessierte vor allem: Welchen Einfluss hat die Kultur der Menschen darauf, was sie mit dem zusätzlichen Geld anfangen? Wie ich erwartet hatte, benutzen sie es so, wie es ihrer eigenen Kultur entspricht – und nicht unserer.

Das scheint der namibischen Regierung nicht zu reichen. Weder unterstützte sie das Projekt, noch wird es aufs ganze Land ausgeweitet. Warum nicht?

Die größte namibische Volksgruppe sind die Ovambo, die viel interessierter an Business sind als die Damara. Entsprechend neoliberal ist die Wirtschaftspolitik. Oft ist zu hören: „Die Damara haben ja nichts aus dem Geld gemacht.“ Aber erstens reichen 100 namibische Dollar nicht dafür aus, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen. Und zweitens sind die kulturellen Prioritäten der Damara schlichtweg andere. Wenn sie acht eigene Kinder haben und dazu noch zehn weitere durchfüttern, machen sie nebenbei kein Geschäft auf. Es ist ein weiteres Modellprojekt in Planung, das die Ovambo-Bevölkerung einschließen soll. Ich könnte mir gut denken, dass ein Grundeinkommen dort mehr ökonomische Impulse setzen würde. Aber das ist nur eine Vermutung, die ich erst beweisen müsste. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass es ganz unterschiedliche, kulturell geprägte Formen des Umganges mit einem Basiseinkommen geben kann.

Was gefällt Ihnen an der Idee des Grundeinkommens?

Es gibt Menschen die Chance, eine Grundlage für ihr Leben zu schaffen. In vielen afrikanischen Dörfern versammelt man sich für wichtige Entscheidungen im Schatten eines großen Baumes. In Otjivero ist es ein Kameldornbaum mitten im Ort. Unter seiner Krone erfuhr die Bevölkerung vor fünf Jahren erstmals von dem Geld für alle. Der Baum hat es trotz der ungünstigen klimatischen Bedingungen aus eigener Kraft geschafft, groß und stark zu werden – weil man ihn hat wachsen lassen. Ich finde, auch die Menschen sollte man einfach mal machen lassen und ihnen nur die Unterstützung anbieten, die sie selbst haben wollen.

Was ist mit Befürchtungen, dass dann weniger gearbeitet oder das Geld in Alkohol umgesetzt wird?

Sie können natürlich nicht verhindern, dass einige Leute weniger Initiative aufbringen, als wenn sie das Geld nicht bekämen. Man kann auch nicht verhindern, dass manche Leute mehr trinken. In Otjivero haben gleich mehrere neue Kneipen aufgemacht, und da war natürlich Highlife. Aber das ist noch kein Grund, das Grundeinkommen abzulehnen. Es gibt in jeder Gesellschaft solche, die sich nicht aufraffen können oder die nicht so aktiv sind wie andere. Die müssen mit durchgezogen werden. Dafür ist Gesellschaft da, überall auf der Welt.

Ist es nicht verständlich, dass diejenigen, die das Geld gespendet haben, es auch in ihrem Sinne verwendet sehen wollen?

Dann ist es nicht mehr bedingungslos. Ein Grundeinkommen ohne Bedingungen setzt zwei Dinge voraus: Vertrauen in die Menschen, dass sie selbst am besten wissen, wofür sie die Mittel verwenden. Und Respekt vor kultureller Vielfalt im Umgang mit diesen Mitteln. Wenn es den Spendern in erster Linie darum geht, die Wirtschaft anzukurbeln, dann sollten andere Instrumente zum Einsatz kommen. Zum Beispiel kann man Mikrokredite für bestimmte Vorhaben vergeben.

Fänden Sie das bedingungslose Grundeinkommen für Deutschland eine gute Idee?

Als Wissenschaftlerin bin ich natürlich für einen Versuch in Deutschland. Ich würde zu gern sehen, was passieren würde. Aber mit einer Empfehlung halte ich mich lieber zurück.

Sie sagen, wir Deutschen definieren uns über das, was wir uns selbst aufbauen. Heißt das, wir würden weiterarbeiten und uns nicht, wie Skeptiker behaupten, auf die faule Haut legen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass plötzlich alle ihren Job aufgeben würden. Dazu definieren wir uns viel zu sehr über unsere Arbeit. Viele würden vielleicht die Arbeitszeit reduzieren. Dann hätten sie mehr Zeit, sich um sich selbst zu kümmern und um ihre Familien. Und das würde wieder mehr Jobs generieren.

Mehr Zeit für den Einzelnen und mehr Jobs für alle – klingt nicht übel …

Ja, aber das Grundeinkommen muss ja irgendwoher kommen. Götz Werner, der Gründer der Drogeriemarktkette dm und prominenter Befürworter der Idee, plädiert für ein Grundeinkommen von 1.000 Euro. Das würde uns jährlich über 900 Milliarden kosten. 900 Milliarden! Das halte ich nicht für realistisch. Namibia dagegen könnte sich aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte und der Einnahmen aus dem Verkauf von Diamanten und Uran ein Grundeinkommen für alle leisten. Ich fände es gut, wenn sie es dort mal fünf Jahre lang ausprobieren würden. Dann würde man sehen: Führt die Umverteilung tatsächlich zu mehr Gerechtigkeit und weniger Armut? Oder ist es volkswirtschaftlich gesehen nichts weiter als eine schöne Idee?

Quelle: F.A.Z. / 22.01.2013, von Sarah Mously