Ordnung muss sein!

Na hören Sie mal! Schließlich ist es äußerst unappetitlich, ständig in Hundehaufen zu treten. Oder finden Sie es etwa gut, wenn jemand Kaugummis auf Gehwege spuckt, in der Öffentlichkeit uriniert oder seine Zigarette wegwirft? Nicht mehr lange, denn Ordnung muss sein!

Wenn eines Tages die meisten Leute nur noch in der Lage sein werden, soweit zu denken wie dicke Sauen hopsen, wird es Zeit für eine Revolution. Lange dauert es nicht mehr. Ihr Trog wird immer schneller gefüllt mit neuen Ideen, die sich der gemeine Bürger schon immer gewünscht hat – mehr Ordnung zum Beispiel. Dank der Gentechnik bleibt dieser Wunsch nicht unerfüllt. Man muss es nur klug anstellen. Und auch ein Staat wird dafür sein, allein schon aus Sicherheitsgründen. Jeder wird dafür sein, wenn man es ordentlich verkauft. Und glauben Sie mir, Weltverbesserer denken da noch viel weiter. Ihre Welt ist richtungsweisend, selbst wenn die Richtung nicht stimmt. Schauen Sie nach London, wo der Fortschritt pulsiert…

Barking ist nicht nur ein Stadtteil Londons, sondern bedeutet übersetzt auch „bellen“. Die Weltverbesserer nehmen dort zum Wohl von Bürger und Stadtkasse den Kampf gegen die Tretminen von Hunden auf. Jeder Kläffer soll in einer Datenbank mit seiner DNS gespeichert werden, so dass zweifelsohne der Verursacher des Problems auf dem Gehweg dingfest gemacht werden kann. Gegen viel Bares. In Barking scheint es übrigens viele Hunde zu geben. Vielleicht ist der Preis für Tierfutter viel zu tief oder die Einsamkeit der Leute viel zu hoch? Wir wissen es nicht.

Sie suchen eine krisenfeste Anstellung? Werden Sie Ab-Stricher. Man nennt das dann zwar anders, aber hat dennoch etwas mit Strich zu tun, wenn ein Heer von
Langzeitarbeitslosen im Auftrag der Stadt Abstriche von gefundenen Hundehaufen macht. Ähnliche Projekte haben in den USA die Hundehaufen-Dichte um 90 Prozent reduziert. Sollte die Zahl der abstrich-geeigneten Objekte geringer werden, wird der Ab-Stricher seine Tätigkeit auch auf Kaugummis, Zigaretten und ähnlichen Auswurf anwenden – mit einer menschlichen DNS-Datenbank. Die Kosten für diese Innovation dürften überschaubar sein bei den zu erwartenden Einnahmen. So muss im Londoner Barking Gen-Sammler pro Schicht nur einen einzigen Hundehaufen ausfindig machen. Kostenpunkt für den Hundebesitzer: 80 Pfund oder umgerechnet 110 Euro zuzüglich der Bearbeitungsgebühr. Das dürfte dem Mindestlohn eines Ab-Strichers entsprechen.

Hey, das ist ja teurer als Hundefutter für ein Jahr, werden manche einwenden. Warum ist eigentlich Hundefutter so billig? Dass sich jeder, aber auch wirklich jeder so einen Tretminenproduzenten leisten kann? Ich sehe schon die Kommentare… Immer mehr Haustiere werden heute ohnehin als Ersatz für andere Defizite gehalten. Sie kennen ja die Bilder, wo sich Leute ähnlich wie Hunde verhalten bzw. sich das Aussehen von Hund und Mensch anpassen.

Da die Not in der Staatskasse meistens auch latent vorhanden ist wie der Wille, seine Schäfchen zu kontrollieren, werden ständig neue Einnahmequellen erschlossen. Natürlich nur zum Wohle des Volkes. So führt auch die EU-Kommission an vielen Fronten aussichtsreiche Kämpfe, um ihren Gönnern neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der Kampf gegen die Plastiktüte ist das neue Projekt der nach Brüssel abgeschobenen Kommissare ohne nachweisbare Produktivität in der Realwirtschaft. Oder wie erklären Sie sich diese vielen Vorschläge, die Erde zu einer Scheibe plattzudrücken? Europa ist in dieser Hinsicht etwas rückständiger als die Briten.

Was wirklich noch fehlt, ist eine Gen-Datenbank für Menschen. Aber man ist schon einfrig dabei und gut unterwegs. Bewegungsprofile sind ja schon da und die Überwachung von der NSA auch. Aber Fragen Sie den Herrn der Misere. Der sagt Ihnen sicherlich die Wahrheit. Oder fragen die bei der NSA nach, wenn Sie mal ihr Passwort vergessen haben.

Ordnung ist ein Wachstumsmarkt. Ihr sind Wirtschaftskrisen egal und entpuppt sich als super Geschäftsmodell gegen leere Stadtkassen – ist universell einsetzbar und grenzenlos erweiterbar. Das britische Tierexperiment dürfte ein weiterer Meilenstein für eine neue Welt ohne Privatsphäre sein. Mit Tierexperimenten beginnen viele bahnbrechende Entwicklungen. Nicht nur in der Medizin. Und mal ehrlich, sind wir nicht alle Versuchskaninchen?

Autor: Frank Meyer / Quelle: http://www.rottmeyer.de

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von Redaktionsteam Veröffentlicht in Allgemein