Chefpositionen sind Magneten für Psychopathen

Ein spezieller Menschenschlag sind sie, die CEOs von Konzernen. So speziell, dass es in den Chefetagen viermal so viele Psychopathen gibt wie im Rest der Bevölkerung. Denn diese sieben Marotten von ihnen sind gefragt, wenn es um Erfolg geht.

Psychopath – dieses Wort verbindet der Laie mit manischen Mördern, Verrückten in Zwangsjacken und skrupellosen Schurken. Doch auch der Nadelstreifen-Anzug ist ein beliebtes Kleidungsstück des Psychopathen, denn ihr Anteil unter Unternehmern und CEOs ist viermal so hoch wie im Rest der Bevölkerung.

Diesen Wert hat der US-Journalist Jon Ronson für sein Buch Der Psychopathen-Test ermittelt. Sie können aber ruhig bleiben: Viermal so hoch bedeutet, dass nur vier Prozent der CEOs tatsächlich Psychopathen sind.

Gleichwohl gehören zum Krankheitsbild des Psychopathen aber Eigenschaften, die auch erfolgreiche Unternehmer ausmachen – und die sind für den empathischen Leser nicht gerade positiv.

1. Mangel an Empathie

Psychopathen sind nicht in der Lage, sich in die Lage anderer hinein zu versetzen. Sie verstehen nicht, warum andere fröhlich, traurig oder nachdenklich sind und sie können nicht abschätzen, in welche emotionale Lage sie andere durch ihre Handlungen bringen.

Eine Studie der Universitäten Amsterdam und Berkeley aus dem Jahr 2008 zeigt, dass reiche Menschen öfter empathielos sind als arme Menschen. In dem Experiment wurden zwei Fremde gebeten, sich gegenseitig schwierige Momente ihres Lebens zu erzählen – etwa den Tod eines Verwandten. Reichere Menschen zeigten dabei weniger Mitgefühl – sowohl wenn sie von ihren eigenen Schicksalsschlägen berichteten als auch beim Zuhören.

Die Forscher führen das auf einen Effekt zurück, der besagt, dass Menschen soziale Anteilnahme eher zeigen, wenn der Gegenüber einen gewissen Wert für jemanden hat – und ein armer Mensch hat für einen Reichen eben diesen nicht.

2. Selbstüberschätzung

Erfolgreiche Menschen sind ebenso wie Psychopathen sehr von sich und ihren eigenen Fähigkeiten überzeugt. So sehr, dass es an gewaltige Selbstüberschätzung grenzt.

Das bewies Nobelpreisträger und Psychologe Daniel Kahneman: Er studierte die Entscheidungen von 25 führenden Vermögensverwaltern über acht Jahre und stellte fest, dass ihr Erfolg mehr auf Glück, denn auf Können beruhte. „Die Entscheidungen hätte man auch auswürfeln können“, sagt Kahneman. Er konfrontierte die Verwalter mit seinen Ergebnissen – und stieß auf taube Ohren. „Die Illusion, dass es ihre eigenen Fähigkeiten waren, hatten sie so sehr verinnerlicht, dass sie das Gegenteil einfach nicht glauben konnten.“

3. Oberflächlicher Charm

Eine Studie aus der Psychologen-Fachzeitschrift Psychology, Crime and Law testete 39 Manager und Geschäftsführer und verglich ihre Testergebnisse mit denen von verurteilten Verbrechern. Hier die Punkte, in denen beide Gruppen hohe Werte erzielten:

  • Schmeicheln
  • Manipulation anderer Personen
  • Beharren auf Ansprüche
  • Bereitschaft, andere auszunutzen
  • Skrupellosigkeit

4. Mangel an Gewissen

Es klang im Punkt zuvor schon an: Psychpathen sind gewissenlos. Zeigen ihre Entscheidungen negative Konsequenzen, ist ihre Reaktion, andere dafür zu beschuldigen. Das macht ihnen sogar Spaß.

Nun wollen wir Geschäftsleuten nicht unterstellen, dass sie Spaß daran haben, andere für ihre Fehler bluten zu lassen. Auf dem Weg zum Erfolg ist das aber eine nützliche Eigenschaft. Denn wenn jemand andere erfolgreich zum Sündenbock machen kann, steht er selber bestens da – und klettert die Karriereleiter schneller nach oben.

Ronson erzählt dafür in seinem Buch von Al Dunlap, früherer CEO des Elektrogeräteherstellers Sunbeam. Der hat bis heute den Spitznamen „Kettensägen-Al“, er ist in einer Liste der zehn schlimmsten Chefs aller Zeiten vertreten und erhielt 2002 von der Börsenaufsicht der USA ein lebenslanges Berufsverbot. Aber: Je schlimmer Dunlap mit seinen Untergebenen umsprang, desto höher stieg der Aktienkurs von Sunbeam. Erfolg braucht also kein Gewissen.

5. Egoismus

Sie lesen doch sicher auch gerne, wenn Bill Gates und Mark Zuckerberg für den Kampf gegen Ebola spenden? Oder wenn Bono Geld für die dritte Welt sammelt. Doch lassen Sie sich nicht täuschen: Zwar spenden diese Promis riesige Summen – aber im Verhältnis zu ihrem Reichtum sind sie verdammt egoistisch.

Das hat eine Studie von Paul Riff an der Universität Berkeley ergeben. Er stellte fest, dass die Bereitschaft für soziales Engagement mit wachsendem Bankkonto abnimmt. Reiche Menschen sind egoistischer als arme – oder in Zahlen: Menschen aus der Unterschicht gaben im Schnitt an, 5,6 Prozent ihres Einkommens für wohltätige Zwecke zu spenden sei ein fairer Wert. Für Menschen aus der Oberschicht waren es nur 2,1 Prozent.

6. Unethisches Verhalten

Sagen wir es ganz direkt: Unter reichen und erfolgreichen Menschen gibt es mehr Arschlöcher als am Bodensatz der Gesellschaft. Das hat die US-amerikanische „National Academy of Sciences“ in mehreren Studien ermittlelt. Sie führen das auf gierigere Verhaltensweisen erfolgreicherer Menschen zurück, was diese dann wieder mit Psychopathen gemein haben.

Konkret stellten die Studien fest, dass reiche Menschen eher als arme Menschen…

  • … Gesetze beim Autofahren verletzen
  • … unethisches Verhalten zeigen
  • … anderen persönlich wichtige Dinge wegnehmen
  • … bei Verhandlungen lügen
  • … betrügen, um ihre Siegchancen zu erhöhen
  • … unethisches Verhalten am Arbeitsplatz gutheißen

7. Anfälligkeit für Langeweile

Bei all diesen Dingen, um die sich Psychopathen nicht kümmern, ist es nur logisch, dass ihnen eher langweilig wird als dem Rest der Menschheit. Umgekehrt gehört es aber auch zu ihren Eigenschaften, dass sie lieber auf der Überholspur leben, Kicks und Thrills suchen. So beschreibt es jedenfalls die Fachzeitschrift Psychology Today. Deswegen begehen viele Psychopathen Verbrechen auch nur des Kicks wegen.

Ronson sieht darin eine Gemeinsamkeit mit erfolgreichen CEOs, besonders mit jenen, die alle paar Jahre den Konzern wechseln. „Psychopathen wären brilliante Bosse“, urteilt er, „aber nur für einen kurzen Zeitraum. Sie erledigen die Aufgabe und ziehen dann weiter zur nächsten Herausforderung.“

Autor: Christoph Sackmann

Quelle: de.sott.net

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